Siegfriedsage

von Eduard Emmerich in

Sauerländer Sagenschätze S. 110: 
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Siegfrieds Kampf mit dem Drachen

Auf der Burg zu Xanten am Rhein herrschte Siegmund mit seiner Frau Sieglinde die ihm einen Knaben gebar, den sie Siegfried nannten. Schnell und stark wuchs er heran und erfreute seinen Vater, der in ihm schon einen zukünftigen Helden sah. Seine Mutter aber sorgte sich, denn der junge Siegfried träumte nur von Kampf und Gefahr und ließ sich kaum besänftigen. Er war am glücklichsten, wenn er sich herumtummeln und seine Kraft erproben konnte. Immer, wenn der Vater mit seinen Rittern in den Kampf zog, wurde er von Siegfried bedrängt, das er ihn begleiten wolle. Der Vater aber warnte ihn, er sei noch zu jung und müsse die Zeit abwarten. Das machte Siegfried wütend, denn er fühlte Kraft in seinen Armen und Mut in seiner Seele und er sehnte sich danach, in die Ferne zu ziehen und heldenhaft Abenteuer zu erleben.

Seine Sehnsucht konnte weder durch die Strenge des Vaters noch die Bitten der Mutter gebändigt werden, und so schritt der Jüngling eines Morgens in der Frühe von der Burg hinab und zog frohen Mutes der aufgehenden Sonne entgegen. Am dritten Tag seiner Reise stieß er auf einen mächtigen Bergforst. Ohne zu zögern, marschierte Siegfried in das Dunkel des Waldes hinein. Sein Stock half ihm durch Gestrüpp und Gebüsch.

Als die Sonne schon hoch am Himmel stand, sah er hoch über den Eichen eine Rauchsäule aufsteigen. Dem Rauch folgend, hörte er bald kräftige Hammerschläge aus den Tiefen einer Felsenkluft und gelangte zu einer Werkstatt, in der der Schmied Mime lebte und arbeitete, der beste Schmied der Welt. ,Das Schmiedehandwerk möchte ich wohl auch erlernen', dachte Siegfried bei sich und betrat mit diesem Wunsch die Werkstatt. Zunächst wurde er als bartloser Jüngling belächelt, doch als Siegfried den Hammer schwang, sprühten die Funken durch die Werkstatt. Meister Mime wollte noch Einhalt gebieten, aber Siegfried hämmerte mit solcher Kraft weiter, dass das Eisen zerbarst und der Amboss in den Boden fuhr.

Der junge Siegfried blieb in der Schmiede und erlernte das Schmiedehandwerk. Er war mit solcher Kraft ausgestattet, dass selbst die stärkste Eisenstange seinem Schlag nicht standhalten konnte und so mancher Amboss noch im Boden versank. Diese übermenschliche Kraft ließ ihn ein unbesiegbares Schwert schmieden. Siegfried verabschiedete von Meister Mime und verließ, mit dem Schwert bewaffnet, die Schmiede.  Er wollte zur Gnitaheide ziehen, um sich dem Drachen Fafnir zu stellen, der in den Drachenhöhlen einen reichen Schatz bewachte.

Dort angekommen, musste Siegfried erst ein fast undurchdringliches Dickicht überwinden. Dann kletterte er den steilen Berghang hinauf. Von Weiten hörte er schon das unheilvolle Brüllen des Drachen und spürte bald dessen heißen Atem. Als er die Höhle erreichte, schoss der Drache auch schon auf ihn zu. Siegfried warf sich rasch zur Seite und hieb ihm sein Wunderschwert in den als unverwundbar geltenden Leib. Blut strömte aus der tiefen Wunde. Der Drache schlug mit Kopf und Schwanz derart um sich, dass die Bäume im Umkreis brachen. Dann sank er tot zu Boden.

Ermüdet vom Kampf legte Siegfried sich unter einer Linde nieder. Und wie er so dalag, hörte er den Gesang eines Vogels und verstand:

Wer badet sich im Drachenborn,

Dessen Leib wird fest, dessen Haut wird Horn.

Gegen jede Waffe ist er gefeit,

Gegen jede Gefahr und jedes Leid.


So legte Siegfried sein Gewand ab und badete im Blut des Drachen. Es fiel ihm aber ein Blatt von der Linde ihm auf die rechte Schulter. Siegfried wurde am ganzen Körper unverwundbar, jedoch nicht an der Stelle, auf der das Blatt gelegen hatte. Diese kleine verwundbare Stelle wurde ihm später zum Verhängnis.

Der Schatz aber verblieb in der Höhle. Siegfried beauftragte Alberich, den König der Elfen und Zwerge, ihn zu bewachen. Noch heute wird von einem Schatz in den Drakenhöhlen erzählt, der von Hollen bewacht wird.

Geschichtliches - Siegfried vs. Arminius