Schlüsselwunder

Mit der Eroberung der Eresburg durch die Franken, ging auch das größte Heiligtum der Sachsen verloren, die Irminsul. An einem heißen Sommertag überlegte der Sachsenherzog Wittekind, wie er die fränkische Besatzung besiegen und die Eresburg zurückerobern kann. Vom vielen Grübeln müde, legte er sich in den Schatten einer alten, mächtigen Eiche. Er fiel in einen tiefen Schlaf und sah im Traum eine heimliche Ausfallpforte, welche die Sachsen vor vielen Jahren angelegt hatten. Sie war jedoch verschlossen. Wittekind rüttelte an ihren Riegeln und stemmte sich gegen die Tür. Es half nichts, die Pforte blieb verschlossen. Als er schon enttäuscht den Rückweg antreten wollte, empfing er aus einer unsichtbaren Hand den Schlüssel. Dann erwachte Wittekind. Neuen Mutes trommelte er erneut seine Krieger zusammen und machte sich auf den Weg zur alten Grenzfeste Eresburg. Während seine Krieger die Franken ablenkten, indem sie unweit des Berges ein Feuer entfachten und großen Kriegslärm veranstalteten, schlich sich Wittekind mit einigen Mannen durch den dichten Wald den Burgberg hinauf. Schnell fanden sie die versteckte Pforte, so wie Wittekind sie im Traum gesehen hatte. Sie war jedoch verschlossen. Wittekind stemmte sich gegen das Tor und zog an den eisernen Riegeln. Doch er vermöchte das Tor nicht zu öffnen. Wo war der Schlüssel? Keine unsichtbare Hand streckte sich ihm entgegen. Wittekind fühlte sich von den Göttern verlassen und stampfte enttäuscht und wütend auf den Boden. Da erklang Metall unter seinen eisenbeschlagenen Stiefel. Wittekind fand den ersehnten Schlüssel und begab sich durch finstere Höhlengänge ins Innerre der Eresburg. So konnten sie den Franken in den Rücken fallen und die Eresburg zurück erobern.

Quelle: Johannes Bödger, Marsberg Eresburg und Irminsul, Verlag Joh. Schulte, 2. Auflage, Marsberg 2001

Geschichtliches - Wittekind​​​​